Alkoholverbot auf der Schwamer Kerm

(Predigt vom 21.9.2008)
Heute bin ich froh, dass ich nicht in Schwebheim predigen muss. Denn der heutige Predigttext scheint auf den ersten Blick nicht gerade Kirchweih-freundlich zu sein. Da kommen die Menschen zusammen, um miteinander zu feiern, zu tanzen und natürlich auch Wein zu trinken – und dann kommt ein Predigttext wie dieser. Hören Sie, was Paulus im Epheserbrief schreibt.
Epheser 5, 15-21
So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise, 16 und kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. 17 Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist. 18 Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern lasst euch vom Geist erfüllen. 19 Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen 20 und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus. 21 Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi.
Paulus ist mal wieder ein echter Spielverderber. Dürfen wir denn jetzt gar nicht mehr einfach mal fröhlich feiern? Dürfen wir gar nicht mehr auch mal ungezwungen nur den Tag genießen? Schließlich hat doch auch Jesus einmal Wasser zu Wein gemacht, damit die Leute weiter feiern konnten. Wie kann Paulus dann hier dagegen sein?
Ich glaube, der Unterschied liegt in diesem ersten Satz:
Seht sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise.
Das heißt: Denk über dein Leben nach. Denk darüber nach, was du aus diesem Leben machst. Wofür du einstehst. Was dir wichtig ist. Wie du dein Leben führst. Was der Grund deines Lebens ist und dein Ziel.
Wer das weiß – oder zumindest eine Ahnung davon hat – der kann dann ruhig auch mal feiern, auch mal Abstand nehmen davon. Der kann auch mal Kirchweih feiern oder Hochzeit wie damals bei Jesus, als er Wasser zu Wein gemacht hat. Denn darum geht es Paulus hier: Dass wir uns nicht einfach zuschütten, um zu vergessen. Dass wir nicht trinken, weil wir eigentlich nicht wissen, wie wir unser Leben meistern sollen. Dass wir unsere Zeit nutzen und nicht nur vertreiben. Vielleicht würde er heute gar nicht mehr sagen: Sauft euch nicht voll Wein. Vielleicht würde er heute sagen: Lasst euch nicht jeden Abend nur vom Fernseher berieseln. Oder: Sitzt nicht den ganzen Tag nur vor dem Computer. Lebt nicht nur einfach in den Tag hinein. Sondern kauft die Zeit aus, das heißt: Nutzt jeden Moment der Zeit, die euch zur Verfügung steht. Nutzt eure Zeit auf dieser Welt, um Gutes zu tun. Um zu lieben. Um freundlich zu sein. Und, ja, auch, um zu feiern.
Ja, wie soll das denn dann aussehen, so ein erfülltes Leben? Ein Leben, das Gott gefällt? Paulus beschreibt es, wenigstens so ungefähr:
Lasst euch vom Geist erfüllen. 19 Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen 20 und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus. 21 Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi.
Klar: Paulus möchte, dass die Gemeinde sich zum Gottesdienst trifft. Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern. Das ist gut, wenn wir uns regelmäßig treffen. Es tut uns selbst gut, aber es ist auch ein ganz wesentlicher Bestandteil unserer Gemeinde. Der letzte Satz allerdings, der ist auf den ersten Blick ein wenig unangenehm: Ordnet euch einander unter. Das tun wir selten gern, dass wir uns unterordnen. Aber das "einander" ist entscheidend. Es funktioniert nur, wenn beide Seiten es tun. Dann ist es, wie es in einer Gemeinde, in einer Gemeinschaft sein soll: Einer ist für den anderen da.
Eigentlich wäre ich jetzt sogar sehr froh, wenn ich diese Predigt heute in Schwebheim halten könnte. Denn genau das ist es ja, was wir bei der Kirchweih feiern. Egal, ob hier in Gochsheim, in Sennfeld oder in Schwebheim: Wir feiern, dass Menschen es geschafft haben, zueinander zu finden. Frieden zu schließen. Krieg, Hass und Streit zu beenden. Wir feiern, dass wir als Dorfgemeinschaft zusammengehören. Dass es Traditionen gibt, die uns verbinden. Und im Gottesdienst am Sonntag morgen erinnern wir uns daran, wem wir das alles zu verdanken haben. Unser Leben. Die Gemeinschaft untereinander. Den Frieden, so bedroht er manchmal zu sein scheint. Ich glaube, auch Paulus hätte nichts gegen unsere Kirchweih. Wenn wir gemeinsam feiern, Wein trinken, weil es schön ist, zusammen zu feiern. Nicht so, wie einige es an unserem Kirchweihsonntag gemacht haben, die dann eine Schlägerei angefangen haben. Sondern so, dass wir aufeinander zugehen, uns miteinander freuen. Miteinander tanzen, lachen, füreinander da sind. Dazu gebe uns Gott seinen Segen, auch in den 50 Wochen bis zur nächsten Gochsumer Kärm.
- Blog von Heiko Kuschel
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