Nichts als die Wahrheit

Fasziniert hat mich gestern der Auftritt von Marcel Reich-Ranicki, als er den Deutschen Fernsehpreis für sein Lebenswerk ablehnte. Er gehöre nicht in diese Riege, die er da erlebt hat. In der Tat: Was da so alles über den grünen Klee gelobt wurde, war wirklich zum Teil eher abstoßend.
Es gehört schon viel Mut dazu, vor so viel Publikum auszusprechen, was einen bewegt. Jedenfalls dann, wenn es genau das Gegenteil ist von dem, was alle erwarten: "Da mache ich nicht mit!" Danke, Marcel Reich-Ranicki. Interessant auch, dass manche im Publikum immer noch lachten - sie hatten überhaupt nicht verstanden, was da gerade passierte. Schauen Sie es sich nochmal an.
Die Wahrheit sagen und bei der Wahrheit bleiben: Das ist oft gar nicht so einfach. Jetzt sind schon wieder Radsportler positiv auf Doping getestet worden. Können die es einfach nicht kapieren? Können sie nicht einfach bei der Wahrheit bleiben: So viel schaffe ich aus eigener Kraft, aber mehr halt auch nicht? Ich weiß, auch da gibt es unheimlich viele Zwänge. Der Druck, zu gewinnen, ist immens groß. Und doch würde ich mir hier mehr Wahrhaftigkeit wünschen. Menschen, die dazu stehen, was sie können und was nicht. Menschen auch wie Reich-Ranicki, die zu ihrer Überzeugung stehen. Hut ab vor allem, die den Mut dazu aufbringen.
Jesus fordert uns auf, bei der Wahrheit zu bleiben:
Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel
(Matthäus 5,27)
Vielleicht wäre die Welt ein ganzes Stück besser, wenn wir das beherzigen würden.
- Blog von Heiko Kuschel
- Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben
- 657 gelesen
