Angedacht Dezember 08 - Januar 09

Bild von Fritz Sengenberger

„Weißt du wer ich bin?“, fragte die junge Frau den alten Mann im Pflegeheim.

„Nicht richtig“, antwortete der alte Mann. „Aber ich habe so ein warmes Gefühl, als würde ich Sie schon lange kennen. Sie lächeln so lieb. Sind Sie neu hier, Schwester?“

„Ist schon gut, Vater“, sagte die junge Frau, ergriff seine Hand und legte sie an ihre Wange.

 

Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. Jesaja 66,13

 

Kein Mensch ist mutterseelenallein auf dieser Erde. Gott wurde Mensch, um dir nahe zu sein, um dich zu trösten. Barmherzig, zärtlich, liebevoll.

 

Auf einmal wird der Monatsspruch von Dezember ganz weihnachtlich. Gott wird Mensch, trägt und tröstet mich wie eine Mutter durch diese heilige Zeit.

 

Das spürt auch der Psalmbeter aus dem 16. Psalm, der uns zum Neuen Jahr im Januar so grüßt:

 

Ich habe den Herrn allezeit vor Augen; steht er mir zur Rechten, so werde ich fest bleiben.

 

Damals, als ihr Freund im Sterben lag, ging sie immer wieder in die Kirche, um den Gedanken und Sorgen zu entfliehen. Sie weiß noch, wie sie scheinbar endlos hinaufgesehen hat zu dem Sterben des Mannes am Kreuz und gedacht hat: Ich habe keine Worte mehr in mir, es ist so leer und grau in mir, aber du Gott, du weißt wie das ist und kommst nicht mit schnellem Trost.

Wenn sie sich heute erinnert an die schlimmen Wochen und Monate, dann denkt sie: Es hat mich viel gekostet, aber es hat mich reifer gemacht, ich wusste gar nicht, wie viel Hoffnung, was für ein Lebenswille und auch was für ein Glaube an Gott in mir steckt. Ich werde nicht lassen von diesem Gott.

 

Dieser Gott begleitet uns durch das Neue Jahr 2009 mit seiner großen Zusage aus dem Lukasevangelium 18,27:

 

Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.

Und so bekenne ich mit Dietrich Bonhoeffer:

 

Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste Angst vor der Zukunft überwunden werden.

Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Faktum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

 

Gott wartet auf einen jeden von uns. In diesem Sinne Frohe Weihnacht, ein gesegnetes Neues Jahr 2009 und Pfarrer Kuschel den Segen Gottes für seine neue Pfarrstelle.

Gott segne unser Leben und Sterben, segne unseren Ausgang und Eingang.

 

Ihr Pfarrer

Fritz Sengenberger