Frohe Weihnachten am Ewigkeitssonntag

Predigt am Ewigkeitssonntag 2008
Gochsheim, 23.11.2008 (Abschiedspredigt von Pfr. Kuschel)
Text: 2. Petr 3, (3-7) 8-13
8 Eins aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, dass ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag. 9 Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde. 10 Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden ihr Urteil finden.
11 Wenn nun das alles so zergehen wird, wie müßt ihr dann dastehen in heiligem Wandel und frommem Wesen, 12 die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und erstrebt, an dem die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden. 13 Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt.
Frohe Weihnachten, liebe Gemeinde!
Dieses Jahr habe ich es nicht ganz geschafft, bis zum ersten Advent zu warten. Die Marzipanbrote, Lebkuchen und was es sonst so gibt haben mich einfach zu sehr angelacht. Vor ein paar Jahren haben wir es groß zum Thema gemacht im Take Off, mit unserem Weihnachtsgottesdienst im Oktober. Da habe ich viele Rückmeldungen aus ganz Deutschland bekommen, viel Zustimmung: Ja, es stimmt: Alles hat seine Zeit, und Advent ist nun mal erst im Dezember und nicht schon kurz nach den Sommerferien.
Warten. Auch wenn es dauert. Warten, bis es soweit ist, und nicht schon vorher die ganze Vorfreude kaputtmachen: Das ist etwas, was wir heute kaum noch können. Alles muss schnell gehen bei uns. Wieso warten, bis ein Brief in einem entfernten Land ankommt, wenn es eine Email in Sekunden schafft? Wieso warten mit einer Anschaffung, wenn ich den Kredit so einfach bekomme? Oder, ganz im Kleinen: Wieso warten, bis die ganze Familie zusammen am Essenstisch sitzt, wenn doch dann das Essen kalt wird? Wieso warten, bis ich etwas zu Weihnachten geschenkt bekomme, wenn ich es mir doch auch gleich selber kaufen kann?
„Wir warten aufs Christkind“ hieß eine Sendung, die ich als Kind sehr, sehr gern geschaut habe. Ich glaube, sie kam immer am Heiligabend – selbst da hieß es noch „warten“. Heute fangen unsere Kinder schon im Oktober an, Wunschzettel zu schreiben.
Wir warten aufs Christkind: Wir haben eine Vorstellung davon, wie friedlich diese Szene war – oder besser: gewesen sein könnte. Im Stall, bei Ochs und Esel, in reinlichen Windeln das himmlische Kind. Schäfer außen rum. Und die Engel dabei, die Gott loben.
Schön ist das, und es ist auch gut, dass wir diese adventliche Vorfreude ausgeschmückt haben mit ganz vielen großen und kleinen Bräuchen. Kekse, Schokolade, Kerzen, Tannenzweige und noch vieles mehr.
Darüber vergessen wir aber oft, dass wir eigentlich ja auf etwas ganz anderes warten. Denn Weihnachten, die Geburt Jesu Christi, die ist schon lange vorbei, weit über 2000 Jahre. Darauf müssen wir nicht mehr warten. Es ist Vergangenheit. Dieses süße Jesulein im Krippelein, es ist erwachsen geworden. Jesus ist durch sein Land gezogen, hat den Menschen von Gottes Liebe erzählt. Hat Menschen geheilt. Hat ihnen gezeigt, wie das ist, wenn Gottes Liebe ihnen ganz nahe ist. Dieses süße Jesulein im Krippelein, es wurde zu dem Schmerzensmann am Kreuz, der in der tiefsten Stunde der Verzweiflung schrie: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“
Dieses süße Jesulein im Krippelein, es wurde zu dem, der den Tod besiegte. Dessen Grab leer war. Der in den Himmel aufgefahren ist. Der sitzt zur Rechten Gottes, so bekennen wir es im Glaubensbekenntnis. Von dort wird er wiederkommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Das ist es, worauf wir eigentlich warten, schon seit 2000 Jahren: Die Wiederkunft Christi. Dass er zu uns kommt. Dass diese Welt, die wir kennen, vergeht. Dass Gott eine neue Welt erschafft. Eine Welt, in der kein Leid noch Geschrei noch Schmerz mehr sein wird. Ein neuer Himmel, eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt. Darauf warten wir, und wir glauben, dass es sich lohnt, darauf zu warten. Auch zweitausend Jahre oder länger. Unser Predigttext beschäftigt sich auch mit der Frage, wieso denn dieser jüngste Tag immer noch nicht gekommen ist. Die ersten Christen hatten ja erwartet, dass Jesus noch zu ihren Lebzeiten wiederkommt. Aber nein, sagt Petrus. Es ist gar keine Verzögerung. Gott hat Geduld mit uns. Er will uns allen eine Chance geben. Er „will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde“. Was dann, eines Tages, kommen wird, das beschreibt er im letzten Satz unseres Abschnitts:
Wir warten auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt. Was wir an Weihnachten erleben, das ist ein kleiner Vorgeschmack davon. Ein wenig scheint dieses neue Reich Gottes schon hinein in unsere Welt. Ein wenig von dem Frieden, von der Gerechtigkeit, die in Gottes neuer Welt herrschen, ein wenig davon ist auch bei uns zu spüren. Wir wissen es, wie das aussieht. Wir sehnen uns danach. Darum, glaube ich, ist ja auch Weihnachten so ein wichtiges Fest für uns geworden, weil es am stärksten unsere Sehnsucht nach Frieden und Gerechtigkeit zum Ausdruck bringt.
Heute, am Ende vom Kirchenjahr, blicken wir nicht zurück auf die Geburt Jesu, sondern nach vorn, sozusagen auf das neue Weihnachten. Auf diese unsere Hoffnung, dass Jesus eines Tages wirklich wiederkommt. Nach 2000 Jahren scheint uns das nicht mehr so wirklich wahrscheinlich zu sein. Wir können nicht sagen, wann es soweit ist. Ob wir es erleben werden oder erst die Menschen in einigen Jahrtausenden, wenn es denn dann noch Menschen geben sollte. Dennoch: Heute, am Ende vom Kirchenjahr, erinnern wir uns daran, dass wir darauf warten. Wir erinnern uns aber auch daran, dass das Reich Gottes schon hineinscheint in unsere Welt. Dass wir schon hier ein Stück vom Himmel erleben können. So, wie die Strahlen der aufgehenden Sonne schon den Himmel erleuchten, lange bevor sie selbst zu sehen ist. So, wie die Kerzen am Adventskranz, der adventliche Schmuck, die Weihnachtsplätzchen uns schon vor Weihnachten ein Gefühl dafür geben, was uns erwartet.
Wir können ein Stück vom Himmel erleben. Wir können aber auch selbst ein Stück vom Himmel sein. Ganz egal, wo Gott uns hinstellt, können wir anderen von Gottes Liebe erzählen. Und von unserer Hoffnung, dass Gott einmal alles neu machen wird. Von unserer Hoffnung auf ein neues Weihnachten, wenn Jesus wiederkommt, nicht als das süße Jesulein im Krippelein, sondern als der Herrscher über alles, der Überwinder von Krankheit, Not und Tod.
Ich hoffe, dass ich in meiner Zeit als Pfarrer in dieser Gemeinde ein kleines bisschen davon vermitteln konnte: Von dieser Hoffnung auf das neue Reich Gottes, das schon unter uns begonnen hat.
Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir dabei sein können. Jetzt, überall, wo Gottes Reich schon aufscheint. Und dann am jüngsten Tag. Wann auch immer er sein wird. Ich wünsche uns frohe Weihnachten.
Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
- Blog von Heiko Kuschel
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Kommentare
Schon mal erwähnt?
Heiko hab ich schon mal erwähnt das ich deine Predigten extrem gut finde? Jedenfalls tu ich das jetz den deine Predigten sind extrem gut! *Lob aussprech*