An(ge)dacht Februar/März 2008

Bild von Heiko Kuschel

An(ge)dacht Februar/März 2008

„Eine unbequeme Wahrheit“: So lautet der Titel des Films mit Al Gore, Friedensnobelpreisträger und früherer Vizepräsident der USA. Der Film dokumentiert eindrücklich, wie sich unser Klima in den letzten Jahren durch unser Handeln verwandelt hat – und wie wir Menschen oft die Augen davor verschließen, was da auf uns zukommt und wie wir selbst damit zu tun haben.
Eine unbequeme Wahrheit war es auch, die Jesus den Menschen um ihn herum aufzeigte. Sie sahen, was er tat, wie er lebte. Sie hörten, was er sagte. Und sehr oft erkannten sie in der Begegnung mit ihm: So, wie ich lebe, ist nicht das, was Gott von mir will. Wir haben „gesündigt in Gedanken, Worten und Werken“, wie es in unserer Gottesdienst-Liturgie oft heißt. Eine unbequeme Wahrheit war das, eine, die aufwühlte, eine, die das ganze eigene Leben in Frage stellte. Wie viel einfacher war es doch da, sich gegen den zu stellen, der diese Wahrheit aufdeckte: „Dieser Jesus muss sterben! Dann haben wir wieder Ruhe.“
Das mit der Ruhe war dann allerdings nicht ganz so einfach – denn selbst der Tod bedeutete nicht das Ende. Er war erst der Anfang von etwas Neuem, etwas Einmaligem: Seine Jünger feierten seine Auferstehung, das Christentum breitete sich aus über die ganze Welt. Die Hoffnung auf ein ewiges Leben bei Gott bewegte Milliarden Menschen in den letzten zwei Jahrtausenden. Sie bewegt auch uns, ganz besonders wieder am Osterfest: In der Osternacht, bei der Andacht auf dem Friedhof, in unseren Gottesdiensten.
Eine unbequeme Wahrheit: Das ist es, was Gott uns zumutet. Das Schöne ist: Wir müssen uns vor dieser Wahrheit nicht verstecken, auch wenn sie vielleicht unbequem ist. Wir müssen Gottes Ansprüchen gar nicht hundertprozentig genügen. Wir müssen nur eines tun: Darauf vertrauen, dass Gott uns liebt und uns verzeiht.
Eine unbequeme Wahrheit: Wenn wir diese Wahrheit erkennen, dann ist es uns aber auch möglich, etwas zu ändern. Unser Leben zu ändern. Dinge besser zu machen. Daran zu arbeiten, dass wir wenigstens ein bisschen mehr so werden, wie Gott uns haben will. Dass wir aufeinander zugehen. Dass wir füreinander da sind. Verantwortung übernehmen – für die Menschen um uns herum, aber auch für Gottes Schöpfung, die durch unser Handeln so bedroht ist. Lassen Sie uns in diesem Jahr den vielen unbequemen Wahrheiten ins Gesicht sehen – und daran arbeiten, die Welt ein wenig schöner und gottgefälliger zu machen.
Ich wünsche Ihnen eine Passionszeit voller Wahrhaftigkeit und ein Ostern voller Hoffnung.